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Thema Konkurrenten

Wie gerne sprichst du über deine Tennis-Kollegen?

„Richtig gerne! Weil es zum Thema Tennis dazugehört. Und bei diesem Thema kenne ich mich wohl am allerbesten aus.“

Dann starten wir bei der Nummer eins der Welt – Novak Djokovic. . .

„2014 in Schanghai habe ich erstmals gegen ihn gespielt. Er war in Topform, hatte ein paar Tage davor Tomas Berdych im Endspiel von Peking zerlegt. Ich dachte mir, hoffentlich gehe ich nicht komplett unter. Sofort habe ich die Aura seiner Extraklasse gespürt, mich aber relativ gut aus der Affäre gezogen.

Also lief die Premiere nicht schlecht?

„Auf keinen Fall, ich habe brav mitgehalten, dennoch mit 3:6, 4:6 verloren. Von einem Weltuntergang allerdings keine Spur. . .“

Mittlerweile hast du ihn mehrmals geschlagen?

„Mein erster Sieg fiel sehr emotional aus. Im Semifinale von Rom 2017 hatte mich Novak zuerst mit 6:0, 6:1 vorgeführt, drei Wochen später schlug ich ihn im Paris-Viertelfinale in drei Sätzen. Meine Premiere! Zwei weitere Highlights: Roland Garros 2019 im Semifinale gewonnen, im gleichen Jahr mein Erfolg gegen ihn beim Masters in der Gruppenphase.“

Kommen wir zur Rafael Nadal.

„Mit ihm habe ich mir die meisten Duelle geliefert, meine bisher epischsten Matches abgeliefert. Meine Rivalität mit Rafa auf Sand ist für mich einzigartig, weil es auf diesem Belag nie einen besseren Spieler gegeben hat.“

Dein Nummer-1-Moment gegen Nadal?

„Australian Open 2020 und US Open 2018 waren die geilsten Begegnungen. In Melbourne in vier Sätzen im Viertelfinale gesiegt, dabei dreimal ein Tiebreak für mich entschieden. In New York musste ich mich im Viertelfinale in fünf Sätzen geschlagen geben. Mit 6:7 in der Entscheidung, ein Match, das fast fünf Stunden dauerte. Ein gigantischer Thriller, die große Bühne im Ashe-Stadion mit 23.000 Fans. Überall knisterte es, eine heiße Stimmung!“

Ihr versteht euch auch privat gut?

„Ein sympathischer, netter Kerl. Wir reden oft über Fußball, er gibt sich außerhalb des Platzes locker und hat auch Humor.“

Deine Erfahrungen mit Roger Federer?

„Als 16-Jähriger Junior durfte ich mit ihm im Aorangi Park von Wimbledon erstmals trainieren. Am Anfang war ich komplett nervös, spielte kaum einen Ball übers Netz. Nach einigen Minuten hat es wieder gepasst. Nie im Leben hätte ich mir damals gedacht, dass ich Roger eines Tages sogar schlagen werde.

Dein erster Sieg gegen ihn?

„In Rom 2016. Wobei man fairerweise sagen muss, dass er in diesem Achtelfinale alles andere als komplett fit war. Ihn plagten Rückenprobleme, das hat man auch gesehen. Dennoch ein spezieller Tag für mich! Mein größter Sieg gegen ihn war im Endspiel von Indian Wells. Federers Starpotenzial ist weltweit riesig, in den USA noch gigantischer. Die Leute mögen ihn überall!“

Bei den Lieblingssportlern hast du ihn auf Platz eins gereiht.

„Weil er einfach eine komplette Ausnahmeerscheinung ist. Er verkörpert den Begriff Superstar!“

Roger privat?

„Sehr, sehr lustig und auch komplett entspannt. In der Umkleide, also im echt kleinen Kreis, ist er ein ganz anderer Mensch als auf dem Platz. Witzig, offen und er liebt auch kleine Streiche.“

Dominic Thiem nach seinem Sieg gegen Rafael Nadal in Melbourne 2020

Zu den großen Champions zählt auch Andy Murray?

„In den Jahren bevor ich auf die Tour gekommen bin, habe ich ihn mir eigentlich am liebsten im TV angeschaut. Sein Spiel ist einfach attraktiv, sein Verhalten auf dem Platz hat Unterhaltungswert.“

Dein größter Moment gegen Murray?

„Sicherlich mein erster Sieg gegen ihn 2017 in Barcelona, ein ganz besonderer Karrierepunkt: Erstmals habe ich eine aktuelle Nummer eins der Welt bezwungen!“

Deinen ersten Sieg gegen einen Top-10-Spieler hast du gegen Stan Wawrinka gefeiert?

„Das werde ich nie vergessen!  2014 in Madrid, dritte Runde, Nightsession, in drei Sätzen die Oberhand behalten. Wir verstehen uns ebenfalls prima, doch ich beneide ihn um seine einhändige Rückhand. Bei diesem Schlag wird er wohl immer mein Vorbild bleiben.“

Den Glücksmoment gegen Wawrinka konntest du nicht lange genießen. . .

„Nein! Weil ich darauf im Achtelfinale gegen Feliciano Lopez nicht antreten konnte. Eine Art Lebensmittelvergiftung, auch eine Infusion half nichts. Gerne hätte ich diese Herausforderung angenommen nach meiner starken Performance gegen Wawrinka.“

Deinen ersten Top-10-Spieler hast du als 20-Jähriger in Wien gefordert.
„2013  in der Stadthalle, im Achtelfinale unterlag ich Jo-Wilfried Tsonga mit 6:7 im dritten Satz. Eine volle Halle, laute Fans. Das ist bis heute eines meiner geilsten Erlebnisse. Und Tsonga hat Kultcharakter. Für mich zählt er in der letzten Dekade zu den schillerndsten Persönlichkeiten.“

Auch mit seinem Landsmann Gael Monfis hast du dich oft duelliert?

„Zum Anschauen für mich der attraktivste Spieler, mit Abstand der beste Athlet. Solche Typen braucht das Tennis, wir zogen uns auch viele Fußball-Matches gemeinsam im Fernsehen rein.“

Richard Gasquet?

„Einer der klingendsten Namen der letzten Jahre, er kam so früh in den Profi-Zirkus. Unfassbar, wie viele Spieler der französische Verband in den letzten Jahrzehnten in die Top 100 brachte. Dieses Talente-Becken scheint unendlich groß zu sein.“

"Roger? Eine komplette Ausnahmeerscheinung, er verkörpert den Begriff Superstar!"

Eine neue Rivalität könnte mit Daniil Medwedew entstehen?

„Wir haben schon in der Jugend gegeneinander gespielt, obwohl er sogar drei Jahre jünger ist. Damals war es definitiv nicht abzusehen, dass wir beide zehn Jahre später auf Nummer drei und fünf der Welt stehen.“

Wohin führt sein Weg?

„Er wird sich oben etablieren, ein Kandidat für Grand-Slam-Siege. Gegen ihn zu spielen, ist richtig unangenehm. Weil Daniil gut serviert, sich unglaublich bewegt. Ein zäher Gegner.“

Zu deinen Kumpels auf der Tour zählt auch Sascha Zverev?

„Ich kenne ihn seit 2014, wir sind fast zeitgleich raufgekommen. Wir haben uns von Anfang an gut verstanden, abseits vom Tennis einiges unternommen: Gemeinsame Essen, Spiele-Abende mit Stadt, Land, Fluss.

Die Duelle auf dem Platz?

„Da waren einige ganz harte Matches dabei, auch auf großen Bühnen wie zum Beispiel zweimal bei den French Open im Viertelfinale – oder das Semifinale beim Masters 2019. Auch das Semifinale in Melbourne 2020 darf nicht unerwähnt bleiben. Wir haben auch einiges gemeinsam: Schöne Erinnerungen bei diversen Doppel-Auftritten, im wirtschaftlichen Bereich zum Beispiel stehen wir beim gleichen Ausrüster unter Vertrag.“

Konkurrenten und Freunde - das erfolgreiche Team Europa beim Laver-Cup 2019

Seine Stärken, seine Schwächen?

„Seine beidhändige Rückhand zählt zu den schönsten Schlägen der Welt, sein Aufschlag ist schlicht grandios, für seine Größe bewegt er sich extrem stark. Schwächen? Die sehe ich bei einem Spieler mit so einem Ranking nicht.

Deine Analyse von Stefanos Tsitsipas?

„Er legte einen genialen Aufstieg hin! Er kam, sah und siegte. Stefanos hat sich schnell etabliert, spielt attraktives und kompromissloses Angriffstennis. Seine Art fesselt die Leute, ein junger Draufgänger-Typ. Wir werden uns sicher noch einige spannende Matches liefern!“

Ein Grand-Slam-Champion der Zukunft?

„Absolut! Stefanos hat alle Anlagen und Waffen, sein Weg führt steil nach oben.“

Zu den Senkrechtstartern gehört Matteo Berrettini.

„Seine Traumsaison 2019 gipfelte in der Masters-Teilnahme. Matteo und ich haben uns ein paar extrem enge Partien ausgespielt, er kann Leute mitreißen. Vor allem in seiner Heimat! Italien ist so sportbegeistert, Tennis genießt dort einen hohen Stellenwert. Umso wichtiger ist es, dass Stars wie Berrettini als Leitfiguren für Furore sorgen.“

Mit Fabio Fognini hat dich dein Konditionstrainer Duglas Cortero verbunden.

„Für mich einer der talentiertesten Spieler, Fabio besticht mit seinem riesigen Unterhaltungswert. Er begeistert mit seiner theatralischen Art auf dem Platz, man weiß bei ihm nie, was noch kommen kann. Seine schnelle Hand ist bewundernswert, wir haben öfters gemeinsam trainiert und kommen echt gut miteinander aus.“

Wie lief die Zusammenarbeit ab?

„Komplett fair. Mit Duglas hatten wir den selben Konditions-Coach. Es kam selten zu Überschneidungen, alles hat gepasst.“

Von Italien nach Belgien – David Goffin?

„Ein sehr ruhiger Zeitgenosse, höflich und nett. Und ein unangenehmer Gegner, weil er mir nie Zeit gibt. Er steht so nahe an der Grundlinie, nimmt die Bälle extrem früh, verteilt sehr gut. Ein Match wird mir ewig in Erinnerung bleiben: 2016 besiegte ich ihn im Viertelfinale von Roland Garros, schaffte damit erstmals den Sprung in die Top 10. So etwas vergisst man nicht!“

Es gab auch einen gemeinsamen Aufbau mit Goffin?

„Wir haben einige Wochen auf Teneriffa trainiert. Wenn man solche Leute fürs Sparring hat, wird das Niveau natürlich sehr hoch. Diese Einheiten bringen viel!“

Auch Roberto Bautista Agut zählt nicht zu deinen Traumlosen?

„2015 hatte er mich gleich dreimal in Serie geschlagen, drei Jahre später gewann ich gegen Roberto im Semifinale von St. Petersburg endlich mein erstes Match. Er steht seit sechs Jahren nie schlechter als um Platz 20 – kam erst mit 24 Jahren in die Top 100. Er spielt gerade und schnell. Sein Spiel liegt mir nicht.“

Deine Analyse zu Kei Nishikori?

„Ein absoluter Superstar in Japan, er kann nicht unerkannt auf die Straße gehen, benötigt zum Schutz sogar Bodyguards. Kei gehört zu den bestbezahltesten Sportlern der Welt, große Sponsoren bauen auf ihn.“

Deine sportlichen Erfahrungen mit Kei?“

„Wir haben uns einige enge Duelle geliefert. Viele attraktive Punkte waren dabei, meistens ging es heiß her. So muss Tennis sein. Nishikori zählt zu den Publikumslieblingen, er hat auch einen bedeutenden Anteil daran, dass der Tennismarkt weltweit größer geworden ist.“

Weil?

„Unser Sport von jedem Kontinent absolute Klasse-Spieler braucht, um alle Fans zu begeistern, um noch mehr zu wachsen. Nur das macht eine Weltsportart aus!“

Deine Favoriten aus Südamerika?

„Da habe ich zwei Argentinier auf meine Liste!“

Und zwar?

„Keine Frage, da ist natürlich mein Kumpel Diego Schwartzman dabei. Bei uns hat von Beginn an die Chemie gestimmt, ein sympathischer Kerl. Lustig, spontan und ein echter Freund. Wir verbringen viel Zeit während der Turniere in der Players-Lounge mit Gesellschaftsspielen miteinander, erreichten gemeinsam das Doppel-Finale in Madrid. Eine schöne Erinnerung.“

Wie schätzt du sein Spiel ein?

„Da taugt er mir sowieso. Sein Touch ist krankhaft gut, er bewegt sich mega und kämpft bis zum letzten Ball wie verbissen. Solchen Sportlern sieht man gerne zu!“

Dein zweiter Star aus Argentinien?

„Der heißt Juan Martin del Potro! Er zählt zu den ganz wenigen Grand-Slam-Champions aus unserer Epoche. Seine Vorhand peitscht er regelrecht seinen Gegnern um die Ohren, ich habe keine guten Erinnerungen an Delpo. Eigentlich fast nur negative!“

Vor allem in New York. . .

„Leider! Zum Beispiel mein Achtelfinale bei den US Open 2017. Da hatte ich mit 2:0 in Sätzen geführt, dann schlug del Potro zurück und gewann die Partie. Daran will ich gar nicht mehr denken, da ärgere ich mich noch heute.“

Deine Gedanken zu Grigor Dimitrow?

„Den mag ich richtig gerne. Als Scherz sage ich immer zu ihm, er sei der schönste Tennisspieler der Welt. Grigor führt ein glamouröses Leben, liebt den Style und lebt förmlich die Mode. Sein Spielstil ist ästhetisch, extrem elegant. Irgendwie erinnert er auf dem Platz in vielen Phasen an Roger Federer.“

Gegen Dimitrow hast du viele enge Matches gespielt, gegen Pablo Carreno-Busta weist du eine Traumbilanz auf?

„Das ist eine ganz besondere Konstellation. Weil ich gegen ihn auf allen Ebenen gespielt habe. Futures, Challengers, 250er, 500er, 1000er und bei Grand Slams. Als Profi habe ich in den ersten sieben Matches siebenmal gewonnen.

Dein absoluter Lieblingsgegner?

„Ganz ehrlich, gegen ihn laufe ich gerne ein. Unsere Wege haben sich so oft gekreuzt. Wenn wir uns sehen, müssen wir immer wieder grinsen. . .“

Dein Verhältnis zu Nick Kyrgios?

„Unverwechselbar, unaustauschbar, ein komplettes Unikat! Tennis kann froh sein, dass dieser Sport auch solche Stars hat. So einen Typen hat es noch nie gegeben, so einen wird es wohl auch nicht mehr geben. Nick polarisiert, viele Fans lieben ihn, viele hassen ihn. Im tiefsten Inneren ist er ein ganz netter Mensch, wir haben vor Jahren gemeinsam das Nachtleben in Acapulco erkundet. Legendär.“

Nicht zu vergessen zwei weitere Freunde von dir. . .

„Da darf Jan-Lennard Struff nicht fehlen. Wir kennen uns seit der Zeit bei Future-Turnieren.“

Es gibt einige Gemeinsamkeiten.

„Zum Beispiel mögen wir beide Borussia Dortmund gerne. Struffi noch viel mehr, er zählt zu den echten Fans. Beide sind wir auch Liebhaber der Serie Alarm für Cobra 11.“

Wie äußert sich so eine Freundschaft auf der Tour?

„Man trainiert öfters miteinander, trifft sich am Abend, schaut Fußball oder geht essen. Ich drücke ihm bei seinen Matches die Daumen, hab mich extrem über seinen Aufstieg gefreut. Auch er hat echt einen guten Schmäh. . .“

Dein bester Tennis-Freund ist Dennis Novak?

„Darüber gibt es keine Diskussion. Ich habe die meiste Zeit meines Lebens mit ihm auf dem Tennisplatz verbracht. 2020 hat Dennis endlich den Sprung in die Top 100 geschafft. Lange habe ich auf diesen Moment gewartet, ich habe gejubelt wie bei einem meiner größten Siege.“

Ihr kennt euch seit der Kindheit?

„Wir sind in der Südstadt gemeinsam groß geworden, hatten beide einen Traum: Tennis-Profi zu werden. Umso schöner die Tatsache, dass wir dieses Ziel beide erreicht haben. Man kann auch die Leistungen von Dennis nicht hoch genug einschätzen. Bei ihm müssen die Top 50 fallen!“

Seht ihr euch oft?

„Wann immer es geht! Wir brauchen keinen großen Plan, kennen uns in- und auswendig. Es gibt Abende, da hängen wir nur vor dem Fernseher, schauen uns Serien an und plaudern gar nicht viel. Es herrscht blindes Vertrauen. Das sind wahre Freundschaften!“

Es kommt nie zum Streit?

„Nein! Von beiden Seiten herrscht großer Respekt, eine sehr faire Freundschaft. Wir haben so viele verrückte Geschichten erlebt, ich bin mir auch sicher, dass noch unzählige Folgen werden.“